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Im Alltag sind wir unglaublich vielen Reizen ausgesetzt. Visuell, auditiv, digital. Dabei wird ein Sinn oft unterschätzt: der Geruchssinn. Durch gezielte Duftreize lassen sich Fokus, Emotionen, Reaktionsgeschwindigkeit und sogar die Verarbeitung im limbischen System beeinflussen. Wissenschaftlich belegt, in der Aromatherapie erprobt und auch für dein Training nutzbar.
In der Kombination von neurozentriertem Training mit hochwertigen, naturreinen ätherischen Ölen entfaltet sich eine einfache, aber kraftvolle Verbindung: Duft und Nervensystem. Wie das funktioniert und warum du es unbedingt ausprobieren solltest, erfährst du in diesem Artikel.
Inhalt
Diese Rolle spielt Duft im neurozentrierten Training
Beim neurozentrierten Training geht es darum, Reize gezielt zu setzen, um das Nervensystem zu regulieren und bessere sportliche Leistungen zu erreichen. Dabei werden verschiedene Impulse eingesetzt. Hier setzen auch die ätherischen Öle an.
Was viele nicht wissen: Gerüche „umgehen“ sozusagen das rationale Denken. Sie wirken direkt über den Riechkolben und aktivieren das limbische System. Das ist unser Zentrum für Emotionen, Gedächtnis, Stressverarbeitung und Motivation. Hier wird entschieden, wie dein Körper auf einen Reiz reagiert. Mental wie körperlich.
Was passiert beim Riechen?
Riechen ist ein biochemischer Prozess, der in Millisekunden Wirkung zeigt. In deiner Riechschleimhaut befinden sich ca. 30 Millionen Riechzellen mit rund 350 verschiedenen Duftrezeptoren. Sie erkennen Millionen verschiedener Duftmoleküle. So funktioniert’s:
- Die Duftmoleküle gelangen über deine Nase zu den Riechzellen
- Dort lösen sie elektrische Signale aus
- Diese wandern über die Riechbahn direkt ins Gehirn
- Im limbischen System werden Neurotransmitter freigesetzt, zum Beispiel Dopamin oder Serotonin
- Dadurch entstehen Emotionen, Erinnerungen oder Konzentration
Die Wirkung ist unmittelbar. Ein einziger Duft kann deinen Fokus steigern, Angst reduzieren oder dich motivieren. Und genau das macht ätherische Öle so spannend für Training und Therapie. Doch welche Öle gibt es? Und wie wirken sie genau.

Riechtraining – so einfach funktioniert’s!
Riechtraining bedeutet, gezielt Duftstoffe zu verwenden, um das Gehirn zu aktivieren und neuroplastische Prozesse zu fördern. Denn Neuroplastizität ist wie Muskeltraining für dein Gehirn.
Studien zeigen, dass sich durch Riechtraining mit ätherischen Ölen unter anderem das Volumen des Riechkolbens steigern lässt, was wiederum Kognition, Wortfindung und Konzentration verbessern kann. Konkret zeigt sich eine verbesserte Vernetzung zwischen Hirnregionen. Diese Effekte treten sowohl bei Personen mit Geruchsverlust als auch bei gesunden Menschen mit intaktem Geruchssinn auf.
Anleitung für dein Riechtraining:
- Wähle ein naturreines ätherisches Öl (am besten in Bio-Qualität)
- Träufle 1 bis 2 Tropfen auf ein Tuch, deine Haut auf der Hand oder ein Mouth Tape
- Rieche bewusst für 1 bis 2 Minuten tief durch die Nase
- Kombiniere den Duft mit einer gezielten körperlichen oder mentalen Aufgabe
- Beobachte deine Reaktion: Verändern sich z.B. Energie, Fokus oder Entspannung?
Wichtig: Regelmäßigkeit macht den Unterschied. Studien zeigen, dass regelmäßiges Riechtraining dem Gehirn helfen kann, neue Verknüpfungen zu bilden. Ähnlich wie beim Muskeltraining. Das kann neben gesunden Menschen sogar jene unterstützen, die unter Erkrankungen wie Demenz oder Parkinson leiden.
Die perfekte Kombi: Ätherische Öle und Mouth Tape
Ätherische Öle lassen sich beim Training perfekt mit Mouth Tape kombinieren. Gib einfach 1–2 Tropfen direkt auf das Tape und nutze es wie gewohnt. Wichtig: Achte darauf, ein Mouth Tape ohne Atemschlitz zu verwenden – so bleibt das Öl genau dort, wo es hingehört.
Die Top 5 ätherischen Öle für dein Neuro-Training
Je nach Inhaltsstoffen wirken ätherische Öle stimmungsaufhellend, entspannend, belebend oder auch ausgleichend. Wir zeigen dir fünf ausgewählte Öle, die sich besonders gut für dein neurozentriertes Training eignen. Wie bei vielen Dingen, gilt auch hier: Gute Qualität macht den Unterschied. Am besten sind die ätherischen Öle, die du verwendest, naturrein und in Bio-Qualität.

Lavendelöl – beruhigen und regenerieren
Lavendelöl enthält Linalool und Linalylacetat – Substanzen, die angstlösend, beruhigend und schlaffördernd wirken. Es reduziert die Ausschüttung von Stresshormonen und hilft dem Körper, in den Regenerationsmodus zu schalten.
Anwendung des ätherischen Öls im Training:
- Zur Entspannung nach fordernden Einheiten
- Als Bestandteil deiner Abendroutin
- Bei Reizüberflutung oder mentalem Druck
Zitronenduft – aktivieren und fokussieren
Das ätherische Öl der Zitrone wirkt belebend und stimmungsaufhellend. Der frische Duft aktiviert, fördert die Gedächtnisleistung und hebt die Stimmung. Ideal für kognitive Aufgaben oder zur Aktivierung vor dem Training.
Anwendung des ätherischen Öls im Training:
- Vor Übungen, die hohe Konzentration erfordern
- Morgens zum Wachwerden
- Bei mentaler Müdigkeit oder Lustlosigkeit
Pfefferminze – kühlen, klären, aufwecken
Pfefferminze ist eines der beliebtesten ätherischen Öle in der Praxis. Es kühlt, regt den Geist an und kann durch Menthol die Sauerstoffaufnahme verbessern. Das Gehirn bekommt, was es braucht. Einen klaren Fokus und mehr Präsenz.
Anwendung des ätherischen Öls im Training:
- Vor Koordinationsübungen
- Bei Hitzeschüben oder Antriebslosigkeit
- Zur Verbesserung der Atemqualität bei Belastung
Kiefernadel – zentrieren und stabilisieren
Kiefernnadelöl bringt den Wald ins Training. Es stärkt, stabilisiert und vermittelt Sicherheit. Durch den erdenden Duft und die Verbindung zur Natur. Es kann das Immunsystem und die Stressresistenz positiv beeinflussen.
Anwendung des ätherischen Öls im Training:
- In der Meditation oder beim Cool-down
- Nach einem anspruchsvollen Training
- Bei innerer Unruhe oder Nervosität
Eukalyptus – durchatmen und klären
Eukalyptusöl gehört zu den aktivierendsten Ölen. Es öffnet die Atemwege, fördert die Konzentration und bringt frische Energie in jede Einheit. Es eignet sich besonders bei geistiger Erschöpfung und zur Verbesserung der Atmung.
Anwendung des ätherischen Öls im Training:
- Vor High-Intensity-Intervallen
- In Kombination mit Atemtechniken
- Als belebende Komponente in Duftmischungen
Fazit: Bessere Ergebnisse durch Ätherische Öle
Ätherische Öle sind mehr als nur wohlriechende Pflanzenextrakte. Ihre Wirkung wurde mehrfach wissenschaftlich erprobt und sie können dein Wohlbefinden direkt spürbar verbessern. Ob bei der Verbesserung deiner Konzentration, deiner emotionalen Stabilität oder als Ergänzung bei mentaler Erschöpfung und Stress. Ganz einfach durch Aromatherapie. Und das Beste: Du brauchst kein großes Set-up. Nur ein paar Tropfen und damit die richtige Dosis Natur.
Worauf wartest du noch? Probier’s im nächsten Training einfach aus: Nutze ein naturreines Öl. Nimm dir 30 Sekunden für dich. Riechen. Spüren. Reagieren. Und dann: trainieren. Oder danach - das bleibt ganz dir überlassen.
Quellen
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https://www.frontiersin.org/journals/neuroscience/articles/10.3389/fnins.2023.1200448/full - Vance, M. A., White, T. L., Olsson, S. B., Murphy, C., & Chen, B. (2024). Does olfactory training improve brain function and cognition? A systematic review. Neuropsychology Review. Advance online publication.
https://pure.johnshopkins.edu/en/publications/does-olfactory-training-improve-brain-function-and-cognition-a-sy - Thieme Verlag. (2022). Aromatherapie bei Nervenstörungen. Natürlich gesund und heilbar.
https://natuerlich.thieme.de/therapieverfahren/aromatherapie/detail/aromatherapie-bei-nervenstoerungen-1402 - Gesundheitsmanufaktur. (2023). Aromaöle: Nächtliche Düfte können das Gedächtnis verbessern. Gesundheitsblog.
https://www.gesundheitsmanufaktur.de/information/gesundheitsblog/aromaoele-naechtliche-duefte-koennen-das-gedaechtnis-verbessern - Cavedo, E., Grothe, M. J., Lista, S., Teipel, S., & Hampel, H. (2022). Olfactory enrichment in older adults at risk of dementia: Results from the PREVENT Dementia Cohort. Alzheimer’s & Dementia, 18(12), 2404–2416.
https://alz-journals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/alz.12717
- Aroma Forum International e. V. (2021). Das Gehirn und die Aromatherapie – ein ausgezeichnetes Duo.
https://aroma-forum-international.de/das-gehirn-und-die-aromatherapie-ein-ausgezeichnetes-duo/ - Pflegekongress Wien. (2018). Aromapflege in der Praxis – Wirkung und Einsatz. Vortragsskript.
https://www.pflegekongress.at/html/publicpages/154408597295995.pdf - Hatt, H. (2007). Geschmack und Geruch. In R. F. Schmidt & F. Lang (Hrsg.), Physiologie des Menschen (Springer-Lehrbuch). Springer.
https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-540-32910-7